Wie diese Woche bekannt gegeben, will Cloudflare dazu beitragen, dem Internet zu einem Neuanfang zu verhelfen. Unser Ziel ist einfach: ein besseres und grüneres Internet ohne Kohlendioxidemissionen, das mit Ökostrom betrieben wird.

Damit dies gelingt, wollen wir zwei Zusagen machen. Erstens: Wir verpflichten uns, das Cloudflare-Netzwerk zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu betreiben. Das Fundament dafür haben wir bereits 2018 gelegt, weil wir überzeugt davon sind, dass dies der richtige Weg ist. Außerdem denken wir, dass es uns dadurch letztlich möglich sein wird, unseren Kunden effizientere, nachhaltigere und möglicherweise auch günstigere Produkte anbieten zu können.

Zweitens: Wir wollen bis 2025 sämtliche Treibhausgasemissionen beseitigen oder kompensieren, die durch den Betrieb des Cloudflare-Netzwerks seit unserer Firmengründung im Jahr 2010 entstanden sind. Die Art und Weise, wie wir unsere CO2-Bilanz erfassen und verbessern, wird von uns weiter optimiert. Außerdem möchten wir, dass in Sachen Internet ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen werden kann.

Last but not least veröffentlichen wir im Zuge unserer Bemühungen, unsere Emissionen zu erfassen und zu senken, die erste Jahresbestandsaufnahme zu unseren Kohlendioxidemissionen (auf Englisch). In dem Bericht werden wir die genauen Methoden zur Berechnung unseres CO2-Ausstoßes und zur Ermittlung unseres Ökostrombedarfs erläutern. Transparenz zählt zu unseren Grundprinzipien. Sie bildet bei jeder unserer Handlungen die Basis für den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Cloudflare und unseren Kunden – unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen bilden da keine Ausnahme.

Ökostromeinkauf

Besser zu verstehen, wie wir das Cloudflare-Netzwerk zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betreiben wollen, erfordert ein gewisses Hintergrundwissen zu den Märkten für erneuerbare Energie und den internationalen Standards für die Emissionserfassung.

Für Unternehmen, die sich zur Deckung ihres vollständigen Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen verpflichtet haben, finden dieselben internationalen Standards Anwendung, die auch von Regierungen zur Bezifferung ihrer Kohlendioxidemissionen für internationale Vereinbarungen wie das Pariser Klimaschutzabkommen herangezogen werden, beispielsweise das Greenhouse Gas (GHG) Protocol und die Norm ISO 14064. Hinzu kommen Best Practice-Empfehlungen für die Industrie wie RE100. Dabei handelt es sich um freiwillige Richtlinien, die von Unternehmen zur Förderung des Bezugs von Ökostrom und der Minderung von CO2-Emissionen entwickelt wurden.

In der Praxis lässt sich Ökostrom, der diesen Anforderungen gerecht wird, auf verschiedenen Wegen beschaffen – durch eigene Erzeugung von Elektrizität, beispielsweise mit Sonnenkollektoren oder Windrädern, durch sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), also spezielle Stromlieferverträge, mit Wind- und Solarparks, durch nicht gebündelte Herkunftsnachweise (Renewable Energy Credits – RECs) oder in einigen Fällen durch den Einkauf bei lokalen Energieversorgern wie CleanPowerSF im kalifornischen San Francisco.

Das breite Spektrum an Möglichkeiten für die Ökostrombeschaffung soll dafür sorgen, dass so viel in neue Quellen erneuerbarer Energie investiert wird wie möglich. Wie nach unserem ersten Einkauf von nachhaltigem Strom im Jahr 2018 von unserer Kollegin Jess Bailey beschrieben, ist es wegen der Funktionsweise der Stromnetze für den einzelnen Verbraucher unmöglich, in Erfahrung zu bringen, ob die von ihm verwendete Elektrizität aus konventionellen oder erneuerbaren Quellen stammt. Damit Verbraucher jeder Größe aber generell in erneuerbare Energie investieren können, ermöglichen es diese Standards und Bilanzierungssysteme Einzelpersonen und Unternehmen, ihre Investitionen nachzuverfolgen und von den Vorteilen der Förderung erneuerbarer Energien zu profitieren, auch wenn sie ihren Strom eigentlich aus dem herkömmlichen Netz beziehen.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) hat sich allein im Jahr 2020 die Ökostromkapazität um 45 Prozent erhöht, was den stärksten Jahreszuwachs seit 1997 darstellte. Darüber hinaus entfallen knapp 50 Prozent der in den letzten fünf Jahren von Unternehmen getätigten Investitionen in erneuerbare Energien auf Firmen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IKT).

Cloudflare und Ökostrom

Aufgrund unserer neuen Zusage, das Cloudflare-Netzwerk vollständig mit Ökostrom zu betreiben, werden wir auch weiterhin 100 Prozent unseres weltweiten Bedarfs durch den Einkauf von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen decken. Wir haben bereits 2018 erstmals nachhaltigen Strom bezogen und sowohl 2019 als auch 2020 eine Elektrizitätsmenge eingekauft, die dem Verbrauch unserer Betriebe weltweit entsprach. Nun halten wir es aber für wichtig, diesbezüglich auch öffentliche und zukunftsgerichtete Zusagen zu machen, damit Kunden, Investoren, Beschäftigte, Lieferanten und alle weiteren Stakeholder sicher sein können, dass wir den weiteren Ausbau unseres Netzwerks auf erneuerbare Energien stützen.

Um zu entscheiden, wie viel Elektrizität aus erneuerbaren Quellen wir einkaufen müssen, unterteilen wir unseren Gesamtstromverbrauch in zwei Kategorien: Netzwerk und Firmenstandorte. Zu unserem Netzwerk beziehen wir zweimal im Jahr Daten von sämtlichen Servern und allen Anlagen, die wir auf der ganzen Welt betreiben. Was unsere Firmenstandorte (bzw. Büros) betrifft, erfassen wir gemäß den Vorgaben des GHG Protocol unseren tatsächlichen Verbrauch mittels unserer Stromrechnungen. Für Geschäftsstellen, die sich in größeren Gebäuden mit verschiedenen Parteien befinden, greifen wir auf Schätzungen zur Energieverwendungsintensität der US-Behörde EIA (Energy Information Agency) zurück.

Für die Beschaffung unseres Ökostroms nutzen wir zwei Wege. Bei dem Großteil unserer Einkäufe handelt es sich um REC-Zertifikate, die wir über unseren Partner 3Degrees erwerben, um sicherzustellen, dass wir einschlägige Standards wie d das GHG Protocol einhalten. Im Jahr 2020 haben wir RECs, I-RECs, REGOs und weitere Zertifikate für den Herkunftsnachweis erneuerbarer Energie unter anderem in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Indien, Malaysia, Mexiko, Ungarn, Rumänien, der Ukraine, Bulgarien, Südafrika und der Türkei erworben, um den Energieverbrauch des Cloudflare-Netzwerks abzudecken. In der Vergangenheit haben wir eine regionale Einkaufsstrategie verfolgt. Wir erwarten aber, den RE100-Kriterien, einschließlich der Marktgrenzenvorgaben, spätestens Ende 2021 vollumfänglich gerecht werden zu können.

Rückwirkender Ausgleich sämtlicher Emissionen

Wir haben das Ziel, bis 2025 sämtliche jemals durch den Betrieb unseres Netzwerks angefallenen Emissionen zu kompensieren. Zu diesem Zweck müssen wir zuerst in Erfahrung bringen, wie viel Kohlendioxid dabei in den Jahren 2010 bis 2019 genau freigesetzt wurde. Der nächste Schritt besteht darin, in Klimakompensation und Negativemissionen zu investieren.

Die Höhe der mit dem erworbenen Strom verbundenen CO2-Emissionen lässt sich vergleichsweise leicht ermitteln. Tatsächlich handelt es sich im Grunde nur um eine einfache Umrechnung:

Energie (KWH) x Emissionsfaktor (g CO2-Äquivalent/KWH) = Kohlendioxidemissionen (g CO2-Äquivalent)

Um möglichst exakte Ergebnisse zu erhalten, kommt es auf die Emissionsfaktoren an. Dabei handelt es sich im Grunde um Messungen der von einem bestimmten Energieanbieter freigesetzten Treibhausgasemissionen (z. B. Kraftwerk X in San Francisco) je erzeugter Energieeinheit. Für unsere Zwecke handelt es sich bei Treibhausgasemissionen (THG) um diejenigen, die im Kyoto-Protokoll von 1992 definiert wurden (Kohlendioxid, Methan, Stickoxidul, Fluorkohlenwasserstoffe, Perfluorcarbone und Schwefelhexafluorid). Um die Berichterstattung zu erleichtern, werden diese sechs Treibhausgase oft unter dem Begriff „CO2-Äquivalent“ zusammengefasst, der sich auf das Treibhauspotenzial der einzelnen Gase stützt. Emissionsfaktoren eines einzelnen Energieanbieters werden häufig zusammengefasst und gemittelt, um durchschnittliche Emissionsfaktoren der Stromnetze von Städten, Regionen oder Ländern zu berechnen. Gemäß den Vorgaben des GHG Protocol nutzt Cloudflare Emissionsfaktoren der US-Behörde EPA, der britischen Behörde DEFRA und der IEA.

Für unsere jährliche Bestandsaufnahme, die ebenfalls heute veröffentlicht wird, berechnen wir die CO2-Emissionswerte für jedes einzelne Rechenzentrum im Cloudflare-Netzwerk. Dazu multiplizieren wir die tatsächlich von den Anlagen verbrauchte Energie mit den für das entsprechende Stromnetz geltenden durchschnittlichen Emissionsfaktoren in jedem der mehr als 100 Länder, in denen unsere Geräte stehen.

Für unsere rückwirkenden Berechnungen stehen uns Daten zu unserem tatsächlichen Kohlendioxidausstoß seit dem Jahr 2018 zur Verfügung, in dem wir erstmals Ökostrom bezogen haben. Was die vorhergehenden Jahre betrifft, durchkämmen wir alle unsere Einkaufs-, Fracht-, Strom- und Colocation-Verträge, um zu rekonstruieren, wie viel Energie wir wann verbraucht haben. Tatsächlich ist es erfreulich, das Wachstum unseres Netzwerks im Rückblick zu verfolgen. Wir verfügen zwar noch nicht über die abschließenden Ergebnisse dieser Berechnungen, werden Sie aber auf dem Laufenden halten – vor allem, wenn die spannende Zusammenarbeit mit Organisationen und Unternehmen beginnt, die sich für die Beseitigung von CO2-Emissionen einsetzen.

Das steht als Nächstes auf dem Programm

Wir sind zwar stolz auf die Schritte, die wir als Unternehmen im Hinblick auf den Einsatz erneuerbarer Energien und die Bekämpfung von Kohlendioxidemissionen ergreifen, dennoch ist dies für uns erst der Anfang.

Bei Cloudflare loten wir auch die Möglichkeiten für neue Produkte und Ideen aus, mit denen sich die Energie eines der größten Netzwerke der Welt nutzen lässt, um eine höhere Klimawirksamkeit für unsere Kunden und das Internet zu erzielen. Ein inspirierendes Beispiel dafür wird in dem etwas früher veröffentlichten Blogbeitrag Green Computing auf Cloudflare Workers beschrieben, der erläutert, wie diese Lösung die smarte Cloudflare-Edge dabei unterstützt, zusätzliche Workloads zu mit Ökostrom betriebenen Anlagen zu leiten. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch unsere Carbon Impact Reports, die unsere Kunden bei der Verbesserung ihrer CO2-Bilanz unterstützen.